Ambulante Operationsverfahren bei einem Leistenbruch in München – ein kurzer Überblick über die verschiedenen Formen des Leistenbruchs

Was versteht man unter einem Leistenbruch bzw. einer Leistenhernie? Der Leistenbruch bzw. die Leistenhernie, wie sie auch in der medizinischen Fachsprache bezeichnet wird, ist ein Eingeweidebruch, der im Bereich des Leistenkanals auftritt. Hierbei dringt Bauchfell, häufig mit Darminhalt durch eine Schwachstelle der Bauchwand, die sogenannte Bruchpforte und bildet dabei eine Ausstülpung, den sogenannten Bruchsack.

Wodurch entsteht ein Leistenbruch?

Der Leistenkanal ist von Geburt an mit einer kräftigen Wand aus Muskeln und Sehnen verstärkt und bildet die untere Begrenzung des Bauchraumes. Damit ist der Leistenkanal in der Lage, großen Druckspitzen standzuhalten, wie sie beispielsweise beim Husten, Niesen oder Pressen beim Stuhlgang auftreten. Auch starke körperliche Anstrengung oder eine Schwangerschaft führen zu einer enormen Druckerhöhung im Bauchraum.

Besteht die Druckerhöhung dauerhaft oder führt eine Bindegewebsschwäche zu einer Instabilität der Leistenregion, so können Lücken, sogenannte Bruchpforten, in der Wand des Leistenkanals entstehen, durch die der Bruchsack hindurchtreten kann. In diesen Fällen spricht man von einem erworbenen Leistenbruch.

Der Bruchsack selbst besteht häufig aus einer äußeren Hülle, dem Bauchfell oder Peritoneum und enthält zumeist Fettgewebe oder Anteile vom Bauchnetz bis hin zu einzelnen Darmschlingen oder anderen Organen. Im Gegensatz zum erworbenen Leistenbruch fällt der angeborene Leistenbruch bereits im Säuglingsalter auf, s. unten.

Warum leiden meist nur Männer an einem Leistenbruch?

90% aller Patienten mit Leistenhernien sind Männer. Das liegt daran, dass der Hoden im Laufe der Embryonalentwicklung durch den Bauchraum in den Leistenkanal wandert und schließlich seinen endgültigen Platz in den Hodenhüllen einnimmt. Dieser trichterförmige Verbindungsgang zwischen Bauchraum und Hoden verschließt sich normalerweise bis zur Geburt. Bleibt diese kanalartige Ausstülpung hingegen bestehen, können Darmschlingen entlang dieses Kanals aus dem Bauchraum in den Leistenkanal rutschen - man spricht von einem angeborenen bzw. kindlichen Leistenbruch.

Aber selbst bei korrekt verklebtem Verbindungsgang existiert im Erwachsenenalter beim Mann eine natürliche und vorgefertigte Schwachstelle in der Wand des Leistenkanals – und zwar an der Stelle, an der der fingerdicke Samenstrang zusammen mit Muskeln und Gefäßen die Wand des Leistenkanals durchbohren und in den Hoden ziehen. Wenn der Bruchsack in dieser Region, also am inneren Leistenring, die Bauchwand durchbohrt, sprechen Ärzte von einem indirekten Leistenbruch. Ein direkter Leistenbruch entsteht im Bereich des äußeren Leistenrings zumeist aufgrund einer Bindegewebsschwäche oder aber beim älteren Menschen.

Eine Sonderform der Leistenhernie stellt die sogenannte Skrotalhernie dar. Hierbei handelt es sich um einen großen Leistenbruch, der in aller Regel seit vielen Jahren besteht und im Laufe der Zeit so groß geworden ist, dass der Bruchsack, der oftmals Darmschlingen enthält, bis in den Hoden hinunterreicht.

Woran erkenne ich einen Leistenbruch?

Die meisten Patienten mit einem Leistenbruch haben nur gering ausgeprägte Symptome. Viele Patienten bemerken eine zumeist schmerzlose Vorwölbung in der Leistenregion, die bei körperlicher Belastung zunimmt. In Entspannung lässt sich die Vorwölbung oftmals wieder nach innen zurückdrücken und im Liegen ist sie häufig von selbst wieder verschwunden. Viele Patienten klagen über ein Ziehen oder auch unspezifisches Druckgefühl in der Leistenregion, vor allem bei körperlicher Aktivität. Bei Säuglingen und Kindern fällt Eltern häufig beim Windeln wechseln eine Vorwölbung in der Leistenregion auf, insbesondere dann, wenn Kinder dabei gleichzeitig schreien, da dann der Druck im Bauchraum erhöht wird. Bei Jungen kann dadurch der Hoden anschwellen, bei Mädchen die äußeren Schamlippen. In jedem Fall sollten Sie einen Arzt aufsuchen, sobald Sie bei Ihrem Kind eine Vorwölbung in der Leistenregion feststellen.

Wie gefährlich ist ein Leistenbruch?

Eine Leistenhernie, die wenig oder gar keine Beschwerden verursacht, ist grundsätzlich keine schwerwiegende Erkrankung – und stellt damit, wie wir Ärzte sagen, keine absolute oder lebensnotwendig wichtige Operationsindikation dar.

Dennoch muss man als Betroffener wissen, dass sich ein einmal diagnostizierter Leistenbruch nicht wieder spontan zurückbilden kann. Ganz im Gegenteil – in den meisten Fällen vergrößert sich ein bestehender Leistenbruch im Laufe der Zeit. Sobald sich auch Darmschlingen im Bruchsack befinden, kann es jeder Zeit zu einer Abschnürung und Einklemmung (Inkarzeration) von Darmschlingen kommen, was äußerst schmerzhaft und prinzipiell lebensbedrohlich ist. Denn die unmittelbare Folge ist ein Darmverschluss, der eine sofortige Notfall-Operation erfordert, um das Absterben von Darmanteilen zu verhindern.

Um diese schwerwiegende Komplikation zur vermeiden, raten wir Ärzte in aller Regel unabhängig vom Lebensalter und unabhängig davon, ob ein Leistenbruch Beschwerden bereitet, zu einer operativen Versorgung des Leistenbruches, zumal die Leistenbruchoperation als sehr häufig durchgeführter operativer Eingriff ein überschaubar geringes operatives Risiko beinhaltet.

Das Tragen von Bruchbändern wird von Ärzten in aller Regel nicht mehr empfohlen, da sie die Leistenregion durch Stabilisation von außen entlasten und damit die Muskulatur des Leistenkanals weiter schwächen, ohne den eigentlichen Leistenbruch zu beheben – abgesehen vom mangelnden Tragekomfort für den Patienten.

Spezielle Formen des Leistenbruchs – ein kurzer Überblick

Was versteht man unter einer Fußballerleiste oder einer Sportlerleiste?
Nicht jeder Patient, der Schmerzen in der Leiste verspürt, hat automatisch einen Leistenbruch. Der Leistenschmerz kann viele Ursachen haben, die nicht selten orthopädische Erkrankungen als Ursache haben.
Oftmals werden Diagnosen wie Fußballerleiste, Sportlerleiste oder auch weiche Leiste gestellt oder sogar synonym verwendet, ohne dabei dem Leistenschmerz genau auf den Grund zu gehen.

Bei der sogenannten Sportlerleiste oder auch Fußballerleiste ist das Leitsymptom der Schmerz in der Leistenregion. Ursächlich hierfür sind häufig akute Sehnenansatzreizungen oder – risse im Bereich der Bauchwandmuskulatur oder der Oberschenkelmuskulatur (zum Beispiel die Adduktorenzerrung), wie sie durch starke Über- und Fehlbelastungen, Schießen mit außenrotiertem Bein oder unzureichende Aufwärm- und Dehnungsübungen vorkommen.

Aber auch Fehlstellungen im Bereich des Beckens oder der Hüftgelenke (Beckenschiefstand), degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule (Bandscheibenvorfall, Arthrosen), Lymphknotenschwellungen, bis hin zu urologischen oder gynäkologischen Erkrankungen können Ursache für einen Leistenschmerz sein und sollten sicher ausgeschlossen werden.

Was versteht man unter einer weichen Leiste?
Unter dem Begriff weiche Leiste versteht man eine beginnende Vorwölbung der Leistenkanalhinterwand, die per se noch keinen Krankheitswert darstellt, allerdings die Vorstufe zu einem Leistenbruch sein kann.

Wie wird ein Leistenbruch diagnostiziert?
Für die Diagnose eines Leistenbruches ist die körperliche Untersuchung der Leistenregion durch einen erfahrenen Arzt in den meisten Fällen ausreichend. Beim Abtasten der Leistenregion wird der Patient mehrmals aufgefordert zu husten, um den Druck im Bauchraum zu erhöhen und einen eventuell bestehenden Bruchsack unter der Haut nach außen zu stülpen. Ist die Schwellung bereits ohne Husten erkennbar, wird geprüft, ob sich der Bruchsack manuell nach innen wegdrücken lässt. Reicht diese körperliche Untersuchung nicht aus, wird eine Ultraschalluntersuchung der Leistenregion durchgeführt. Nur in seltenen Fällen ist eine MRT Untersuchung notwendig.

Wie wird ein Leistenbruch operiert? Ein kurzer Überblick über die verschiedenen Operationsmethoden

Welche Operationsverfahren gibt es bei einer Leistenbruch-OP und welche OP-Methode empfehlen wir in unserer Chirurgie Klinik in München?
Es gibt verschiedene Behandlungsmethoden, die bei einer Herniotomie, also dem Verschluss eines bestehenden Leistenbruches möglich sind.

Prinzipiell unterscheidet man zwischen den offenen, konventionellen Verfahren (wie zum Beispiel Operation nach Shouldice, Lichtenstein, Gilbert oder Pellicier) und den endoskopischen, minimal-invasiven Verfahren (TAPP, TEP).

Welches dieser OP-Verfahren für Sie als Patient zum Einsatz kommen sollte, muss individuell in unserer Chirurgie Praxis in München entschieden werden.

Operation nach Shouldice
Bei den klassischen, offenen Operationsverfahren (offener Bruchlückenverschluß) erfolgt die Leistenbruch-Operation über einen ca. 6 cm langen Hautschnitt oberhalb des Leistenbandes, der kosmetisch nicht als störend empfunden wird, da er später von der Unterwäsche bedeckt ist.

Das Prinzip der Operation nach Shouldice besteht darin, den Bruchsack zu entfernen bzw. in den Bauchraum zurückzudrängen und anschließend die Bruchlücke mit körpereigenem Gewebe zu verschließen. Dabei wird das Gewebe übereinander gesteppt bzw. gedoppelt und dadurch zusätzlich verstärkt. Der Vorteil dieses Verfahrens besteht darin, dass kein Fremdmaterial verwendet wird und die Operation nach Shouldice prinzipiell auch in örtlicher Betäubung durchgeführt werden kann.

Der wesentliche Nachteil dieser OP-Technik liegt in den zu hohen Rezidivraten - was im wesentlichen daran liegt, dass ohnehin schon qualitativ „schlechtes und ausgedünntes“ körpereigenes Gewebe für den Verschluss der Bruchlücke verwendet wird. Die 5-Jahres-Rezidivrate, also der prozentuale Anteil der Patienten, die innerhalb von 5 Jahren nach der Operation einen Wiederholungsbruch entwickeln werden, liegt bei der Operation nach Shouldice je nach Studie zwischen 5 % und 15 %. Deshalb wird dieses Verfahren in aller Regel nur noch für Kinder und junge Erwachsene, die über stabiles, gesundes körpereigenes Gewebe verfügen, empfohlen.

Operation nach Lichtenstein
Bei der Operation nach Lichtenstein handelt es sich um ein modernes Verfahren mit Netzimplantation und damit um das weltweit am häufigsten durchgeführte Operationsverfahren bei einem Leistenbruch mit einer hervorragenden Rezidivrate von unter 1%.

Die Operation nach Lichtenstein ähnelt der Operation nach Shouldice, da es sich auch um ein offenes OP-Verfahren handelt, bei dem der Leistenbruch über einen ca. 6 cm langen Hautschnitt zurückgedrängt wird, und nachfolgend ein anatomisch exakter Bruchlückenverschluss erfolgt. Allerdings wird hierbei zusätzlich ein Kunststoffnetz über die Bruchlücke gelegt, um das geschwächte körpereigene Gewebe des Leistenkanals zu verstärken. Dadurch kann die Gefahr, einen Wiederholungsbruch zu entwickeln, um ein Vielfaches reduziert werden. Die 5-Jahres-Rezidivrate liegt bei der OP-Methode nach Lichtenstein zwischen 0,1% und 1% (je nach Studie).

Auch für diese Art der Behandlung ist nicht zwingend eine Vollnarkose nötig, und die Operationstechnik kann bei Bedarf in örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Dabei sind die von uns verwendeten modernen Netze sehr leicht und damit sehr gut verträglich.

Endoskopische, minimalinvasive Verfahren (TAPP / TEP)
Im Gegensatz zu den offenen Bruchoperationen können Leistenbrüche auch endoskopisch, also in Schlüssellochtechnik (minimalinvasiv) versorgt werden.

Bei der sogenannten TAPP (transabdominelle präperitoneale Patchplastik) werden mehrere, kleine Hautschnitte im Bereich des Nabels und Mittelbauches angelegt und anschließend eine Mini-Kamera und diverse Instrumente in den Bauchraum eingeführt. Dabei muss der Bauch mit Kohlendioxid aufgeblasen werden, um ausreichend Sicht auf den Leistenbruch zu ermöglichen. Der Leistenbruch wird nun von innen, also durch den Bauchraum operiert, wobei auch hier ein Kunststoffnetz eingelegt wird.

Dieses OP-Verfahren eignet sich besonders gut, falls es nach einer früheren Operation von außen (Shouldice oder Lichtenstein) zu einem Wiederholungsbruch gekommen ist. Denn in diesem Fall nähert man sich dem Leistenbruch über einen anderen Zugangsweg, nämlich von innen über den Bauchraum – ein wesentlicher Vorteil, da der Chirurg nicht in narbig verändertem Gewebe operieren muss. Ein weiterer Vorteil der TAPP besteht darin, dass man einen, wenn auch seltenen beidseitigen Leistenbruch in einer Sitzung versorgen kann, ohne dass zusätzliche Hautschnitte notwendig sind.

Ein wesentlicher Nachteil dieses OP-Verfahrens besteht darin, dass man zur Reparatur der Bauchwand den Bauchraum wie bei einer Bauchspiegelung durchdringen muss und damit immer ein gewisses Restrisiko besteht, innere Organe, wie zum Beispiel Darmschlingen oder Blutgefäße zu verletzen. Aus diesem Grund wird die TAPP in aller Regel nur stationär durchgeführt, um Patienten nach der Operation für ein paar Tage überwachen zu können. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass dieses OP-Verfahren ausschließlich in Vollnarkose durchgeführt werden kann, da für das Aufblasen des Bauchraumes die Bauchdecken vollständig entspannt sein müssen.

 

Bei der TEP Technik (total extraperitoneale Hernioplastik) handelt es sich ebenfalls um ein endoskopisches und damit minimalinvasives Verfahren, bei dem die Instrumente im Gegensatz zur TAPP nicht durch den Bauchraum eingebracht werden, sondern zwischen Bauchwandmuskulatur und Bauchfell vorgeschoben werden. Bei dieser OP-Technik wird die Bauchwand selbst mit Kohlendioxid aufgeblasen, um dann ein Kunststoffnetz über der Bruchlücke platzieren zu können. Aus diesem Grund ist bei der TEP genau wie bei der TAPP Technik eine Vollnarkose nötig.

Sie haben noch Fragen zu bestimmten Gebieten? Nehmen Sie Kontakt zu uns auf

Falls Sie zum Thema Leistenbruch oder zu den jeweiligen Leistenbruch Operation Fragen haben, können Sie jederzeit in einem ersten Beratungsgespräch in unserer Chirurgischen Klinik in München geklärt werden. Die Kontaktdaten für unsere Chirurgie Klinik in München finden Sie auf der Startseite.